Taylor
Es war am 7. August 2024 abends, als der Veranstalter der Eras Tour 2024, der World Tour von Taylor Swift, alle 3 Wien Konzerte ersatzlos gegen eine Refundierung des Ticketpreises (abzüglich Bearbeitungsgebühren) absagte.
3 Konzerte, welche am 8., 9. und 10. August stattfinden hätten sollen.
Als Grund wurde ein geplanter Terroranschlag genannt - also ein sehr verständlicher Absagegrund, auch wenn die Tage darauf, und es sind mittlerweilen schon zwölf, immer wieder über die Ermittlungslage oder wahren Umstände spekuliert wurde.
Ich möchte hier nicht weiter über die Umstände der Absage selbst sprechen, denn rückgängig kann diese sowieso nicht gemacht werden und Ersatztermine aus dem Hut zaubern, das kann nicht mal eine Taylor Swift. Besonders dann nicht, wenn nach den abgesagten Gigs nur noch ein Standort (London) bespielt wird, und die Tour danach, zumindest in Europa beendet ist.
Was man besprechen kann, sind die Reaktionen der Hauptbeteiligten. Das wären erstens Taylor Swift und ihr Team, zweitens die von der Absage betroffenen Karteninhaber die Viennaswifties und die restlichen Swifties, auf der ganzen Welt verstreut, aber auch besonders die, die nach den Wiener Absagen für die fünf Londoner Gigs Karten ergattern konnten.
Zuallererst natürlich Konzertabsagen, speziell wenn es sich um Absagen von Veranstaltungen von Superstars mit emotionell stark verbundenen Fans handelt, tun weh. Ganz simpel und einfach, sie tun weh, da man sich auf so einen Event schon ab dem Zeitpunkt des Kartenkaufens wahnsinnig auf diesen Abend freut. Denn man hat nicht oft die Gelegenheit, seine Lieblingsmusiker oft live mitzuerleben.
Aber man mag es nicht hören, Konzertabsagen kommen vor. Öfter als man denkt. So war selbst ich von zwei großen Eventabsagen betroffen. Beide von von mir vergötterten Musikern. Einmal war es Frank Zappa, der noch einmal eine kleine Veranstaltung in Wien abhalten sollte, wofür ich sofort bei Verfügbarkeit dafür sorgte, mein Ticket in Händen halten zu können, und welche aufgrund der Krebserkrankung Zappas kurzfristig abgesagt werden musste, und er auch kurz darauf verstarb. Die zweite Absage betraf ein Konzert von Eric Clapton in der Wiener Stadthalle. Einer meiner persönlichen Favoriten, der aber aufgrund von kurzfristig auftretenden Rückenproblemen ohne viel Wirbel, den Termin einfach absagte und die Kartenpreise rücküberwies.
Also, das was hier passierte, passiert hin und wieder, wenn auch aus anderen Gründen.
Natürlich waren die Absagen der Swift Konzerte im Moment der Absage und die Tage darauf, für die in Wien dann trotzdem eine gute Zeit verbringenden Swifties eine herbe Enttäuschung, Katastrophe oder wie man es noch benennen möchte. Es war eine rabenschwarze Zeit.
Ich kann es ein wenig mitempfinden, hatte ich doch auch selbst ein Ticket, von meiner Tochter gesichert, und mich, obwohl ich musikalisch nicht der typische Swifthörer bin, mich die Wochen vor dem geplanten Konzert mit der Setlist so vertraut gemacht, dass ich zumindest die meisten Titel mitsummen, pfeifen oder klatschen hätte können - Lyrics lernen wäre bei den 43 Titeln aber zu viel des guten oder besser nicht möglich gewesen.
Alles in allem muss ich zugeben, ich war ebenso erschrocken, vom Absagegrund aber doch auch ein wenig wehmütig, dass ich das Konzert jetzt nicht erleben darf. Es wäre sicher ein beeindruckendes Erlebnis geworden. Ich war ready Karten und Hotelzimmer für die Übernachtung nachher waren gebucht. Hotel leider mit Stornokosten dann auch gleich wieder storniert, nachdem ich von der Absage erfuhr.
Jetzt würde man doch erwarten, dass ein Superstar, der drei Konzerte mit insgesamt fast 200.000 Fans absagen muss, dies zumindest mit einem oder zwei Sätzen tut.
Naja dies geschah in den letzten zwölf Tagen nicht. Ausser der Absage durch den Veranstalter kam keine Meldung an die enttäuschten und geschockten Fans, die man kann es nicht oft genug erwähnen, trotzdem gute Laune in Wien verbreiteten. Das für mehrere Tage!
Aber, beeindruckende Leistung des Managements von Taylor Swift war das wohl nicht.
Ich denke die Wiener Swifties hätten sich schon für eine kleine Anerkennung über die in Wien spontan zustandegekommenen Taylor Swift Events gefreut. So standen tausende von Swifties in der Corneliusgasse in Wien und sangen Lieder und tauschten Armbänder. Tolle Bilder gingen da durch die Presse.
Aber kein Kommentar wie - Hey, das was ihr da macht find ich toll - wir hätten sicher auch zusammen viel Spass gehabt, aber leider konnte das aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden.
Ich denke so etwas unverfängliches hätte schon gereicht, um den Wiener Swifties ein wenig Trost zu spenden.
Was passierte waren Scharmützel in den sozialen Medien, zum Beispiel am Swiftnation Instagram Account, zwischen enttäuschten Wiener Swifties, die eine offizielle Reaktion Taiylors einforderten und sich wie Swifties der 2. Klasse oder Ghost Swifties fühlen und den anderen, aber speziell Londoner Swifties, die in den Wortmeldungen der Wiener Angriffe auf ihre, ja wieso denn nur ihre, Taylor Swift orteten, und sich schützend vor diese mit wortgewaltiger Verteidigung stellten. Für mich als Mitbetroffenen, aber nicht deklarierten Swift Fan, stellte sich das wie ein kleiner Riss durch die Swift Community dar.
Was aber auch gesagt werden sollte, zumindest von mir, da es auch meine Meinung ist, ist daß Taylor Swift wie ein CEO eine populären Unternehmens gesehen werden kann. Unternehmenszweck, wie auch überall anders ist es, Geld zu verdienen. Das hat sie ja auch, als mittlerweilen Milliardärin geschafft. Weiters ernährt dieses populäre Unternehmen einen sicher nicht kleinen Angestellt*innenstab. Darunter sicher auch eine Community Manager*in, der den Onlineauftritt des Unternehmens Taylor Swift koordiniert, und dessen Aufgabe es sein wird, die Community emotionell an Taylor zu binden. Dieser Job wurde perfekt umgesetzt. Taylor Swift besitzt eine Fangemeinde, deren jedes einzelne Mitglied überzeugt ist, dass TS zu ihm und speziell zu ihm einen guten emotionellen Kontakt hat. Taylor als millionenfache BFF für alle, die sie verehren.
Bitte jetzt nicht enttäuscht sein, aber ich denke das wird nicht der Fall sein. Ich denke eher, dass so wie ich in einem Blogbeitrag schon einmal erwähnte hier vom Management die Emotionalisierung ökonomisch eingesetzt wird. Ein Fan der Taylor abgöttisch verehrt, wird jedes Fitzelchen, das es wo gibt, das in kleinster Weise Bezug zu Taylor Swift hat, kaufen, und zwar koste es was es wolle. Nicht vergessen, sie ist schon Milliardärin - und das nur durch ihre Community, die tief in die Börsen gegriffen hat.
Selbst am Tag kurz vor der Absage, wurde in Wien der PreSale der Merchandise Stände frühzeitig geöffnet und von den Swifties, wie es sich gehört leergekauft. Nicht zu vergessen, dass jeder wahre Swiftie von jedem Album das Original, die Taylors Version, zigfach Spotify gestreamt, auf CD, auf CD in (vielleicht doch nicht so) Limited Edition, auf Vinyl schwarz plus Vinyl in diversen Farben, alle limitierten Auflagen mit vielleicht unterschiedlichen Bonustracks, bereits gekauft hat. Irgendwoher muss die Milliarde ja gekommen sein.
Vielleicht heisst dann das Ausbleiben des Statements von Taylor auch - lasst mich jetzt in Ruhe und wieder runterkommen, dass ich die Londoner Shows gut abliefern kann. Aber lasst mich jetzt mal mit Wien in Frieden - ich will von dem ganzen, was dort passierte, oder besser nicht passierte jetzt einmal nichts mehr hören.
Übrigens so wie es auch schon in grauer Vorzeit Konzertabsagen gab, so gab es auch überemotionelle Starhypes - schlagt doch mal in Wikipedia den Terminus Beatlemania nach
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